
meisterwerk.
2011/02/02Wer mit grosser Leidenschaft Musik hört, beziehungsweise, wer mit grosser Leidenschaft Platten sammelt, wird folgendes Gefühl kennen: man steht vor seinem Plattenregal (oder, falls man unterwegs ist – und unterwegs sind wir ja oft, immerhin sind wir wichtig (königliches wir) – hält seinen iPod in den Händen), durchforstet die ganzen Alben nach etwas, das man gerne hören möchte und, oh weh, findet nichts. Zwar ist man überzeugt, dass man ganz viel gute Musik besitzt, man hat sie ja nicht einfach so gekauft, deswegen forstet man weiter, mit zunehmend hektischeren Handbewegungen, Schweissperlen rinnen langsam die Schläfen entlang, das linke Auge beginnt zu zittern und man wird sich gewahr: man hat für den Moment kein einziges Album, das passt.
Kein einziges? Falsch. Da gibt es eines, das immer geht. Es ist wahrscheinlich nicht mein liebstes Album aller Zeiten, es ist sogar ganz sicher nicht das beste Album aller Zeiten. Egal. Es geht immer. Da ist dieser Kerl, unscheinbar, Brille, angenehme aber nicht wirklich charakteristische Stimme, eigentlich nur er und sein Klavier (und die anderen Instrumente, die er spielt) – ich als Klavierspieler finde es natürlich gut, wenn es auch tolle Alben mit Klavier im Vordergrund gibt – und seine Texte. Texte, die lustig sind, auf den Punkt gebracht, ironisch, unprätentiös, ehrlich und fantasievoll. Wie er von Leuten singt, die einen Trip einwerfen, dann die Nacht auf einem Baum verbringen und anschliessend ihr Leben in den Dienst Christi stellen, wie er zu seinem Sohn meint, er wisse schon auch, dass Aufwachsen Scheisse sei, wenn er von Sara ohne H singt, der Zak ohne C ihren Lieblingssong vorspielt, oder wenn er davon träumt, wie er rockt wie Michael Jackson (nur, dass der eben talentiert sei, aber egal, er nehme das Geld und irgend ein Produzent rücke das Album dann schon zurecht): das ist alles grossartig. Grossartig auch, wie das Album mit einem mehrstimmigen, sehr harmonischen “Motherfucker” endet – wäre da nicht noch das schönste Liebeslied, das es gibt, ein Liebeslied, das so stimmig ist, dass man darüber keine Worte verlieren sollte.
Die Musik dazu? Die ist nicht spektakulär und genau das macht ihre Grösse aus. Das sind perfekte Popsongs, gut arrangiert und mit einigen cleveren Wendungen, vor allem aber klingen die Melodien alle, wie einfach so aus dem Ärmel geschüttelt, charmant und unangestrengt.
Das alles macht eine perfekte Popplatte. Die man natürlich unbedingt haben sollte, denn man will sie nie mehr wieder hergeben, weil es eine Platte ist, bei der jeder Song stimmt und eine Platte, die immer geht, nicht als Notlösung, sondern die immer geht und sich immer richtig anfühlt. Es ist Rocking the Suburbs von Ben Folds und ich liebe sie.