Langsam ging er über den Platz, eigentlich war es kaum mehr ein Gehen, mehr ein Stolpern, ein Vorwärtskommen ohne wirklich noch die Kraft zu haben, geschweige denn ein Ziel. Es trieb ihn einzig und alleine der unsägliche Hass in ihm. Zumindest das hatte funktioniert, er hatte es geschafft, seine ganzen Verletzungen, seine Trauer und seinen Schmerz zu kanalisieren, die ganzen Gefühle zu einem Klumpen kalten Hasses zu pressen und tief in seinem Magen zu behalten. Dieser Klumpen trieb ihn, richtungslos, aber bereit, zu explodieren, machte ihn bereit, dem nächstbesten Idioten mit der Rückseite voran ins Gesicht zu springen, ihm wegen irgendeiner Kleinigkeit den ganzen Hass mitten in die Fresse zu speien.
Er ging über den Platz und wünschte sich so eine Gelegenheit, eine Nichtigkeit, einen Grund. Nur einen Anlass, diesen bitteren Klumpen Hass loszuwerden, sich wieder als normaler Mensch zu fühlen. Mehr brauchte er gerade nicht, nur diesen einen Grund auszurasten, sich völlig zu verausgaben und schliesslich kaputt und blutig auf den regennassen Boden zu sinken und endlich leer zu sein. Leer. Wie ein Zombie, eine verdammte Marionette, ohne jegliches Gefühl, friedlich und still. Und vor allem ohne diesen alles verzehrenden Schmerz, ohne die nicht zu ertragende Trauer, ohne das Bedürfnis, all das herunterzuwürgen, es zu Hass zu verarbeiten.
Nur nichts mehr fühlen wollte er, als er über den Platz ging. Doch niemand begegnete ihm, keiner rempelte ihn unabsichtlich an. Und so ging er weiter und sein Hass mit ihm.


